Die frühen Jahre in den 20ern

Nach der Gründung im Jahre 1920 war zunächst das Straßen-Rennrad als ausgezeichnetes Sportgerät im Vordergrund. Der Mitbegründer neben Anton Eversloh, Willi Mense war der erste Siegertyp in Zeichen des schnellen Vogels. Da dieser jedoch schon bald nach Amerika auswanderte, blieb vorläufig Josef Flaßkamp aus Lette bei der Stange. Die Clubmeisterschaft war ihm über Jahre sicher. 1925 machte sich der beste Vorkriegs-Amateur der Schwalben unübersehbar bekannt. Er gewann 1925 die Bezirksmeisterschaft auf der 40km- Pflasterstrecke um Ahlen. Bis dahin waren die Oelder im Kreis eher die „Piefkes“. Als „Größen“ galten hier: Der Langenberger Küfermeister Luchs, der Ahlener Lohmeier und Wessel aus Sendenhorst. Eine im Nachhinein prominente Bekanntschaft hatte Flaßkamp schon 1922 beim  Straßenrennen Wiedenbrück – Osnabrück gemacht, als er den späteren Steherweltmeister Erich Möller traf. Schon bald fuhren weitere Fahrer im Windschatten. An der Oelder Stadtmeisterschaft von 1926 , die 31km –Strecke startete am Schützenhof, waren dabei: Hegemann, Pohlmann, Averbeck, Linnenbrink, Kathöfer, Huesmann und Wittelmann. Der unermüdliche Jugendfahrer Klüsener ärgerte sich über sein frühes Ausscheiden aufgrund eines Reifenschadens beim Bezirks-Querfeldeinrennen. Nach dem Heimatrennen „Rund um Oelde“ schwärmte die Tagespresse: Der Oelder Radsport marschiert. Der große Kampf ist vorüber. Ritterlich schön und doch hart ist er ausgefochten worden.

Von dieser hochtrabenden Anerkennung waren zu diesem Zeitpunkt die Hallenradsportler, oder richtiger gesagt, die Saalradsportler noch weit entfernt. Die Schwalben hatten ihr Quartier im Schützenhof bezogen, der später der Tennisanlage weichen musste. Dieser rechteckige Fachwerkbau war ein Mehrzweckbau der frühen Jahre. Zentral der Saal mit stirnseitigem Schankraum, rechts / links Räume für Gerätschaften, dazu weitere für Geselligkeiten und Treffen aller Art. Diese unmittelbare Verwandtschaft von Sport und Gemeinsamkeit ist heute ausgestorben. Aber wieder zurück in die zwanziger Jahre. Donnerstags um acht war Training. An Radmaterial heutiger Gestalt war nicht zu denken. Alte „Scheesen“ wurden instandgesetzt und zu Geschicklichkeits- Übungen aller Art eingesetzt. Hermann Leweling, Rudi Aelker, Reinhold Festge, Walter Bewerungen und Theo Holtkötter ließen sich ständig was neues einfallen. Beim Reigenfahren wurden Fahrfiguren synchron von mehreren Personen vorgeführt. Etwas Besonderes war das Korsofahren. Festumzüge waren überall an der Tagesordnung und dort waren Vereinsabordnungen stets willkommen. Die Radfahrer putzten zu dem Zweck ihre Räder heraus, schmückten sie mit allerlei Zierrat. Dann ging es am Wochenende zunächst mit der Bahn nach Beckum, Ahlen und Umgebung, bevor man sich in die Züge einreihte. Lorenz Beck und Jupp Kleinhaus und ihre Kameraden Edelmeier, Berens  hatten ein schwereres Los. Ihre Räder mit dem Aufbau einer Riesen-Schwalbe und einem Flugzeug passte nicht mehr in den Zug und so mussten sie die Touren selber meistern. Dann war ihnen die Aufmerksamkeit jedoch gewiss.

Die Entwicklung nahm ihren schnellen  Lauf. Schon zum siebten Stiftungsfest 1927 hatte sich einiges getan. Zum Festprogramm gehörte ein Lampionfestzug in der Dunkelheit, ein Freikonzert, Empfang der Vereine, Festzug vom Bahnhof aus mit einem Preis- Korso. Ein Beflaggen der Häuser war selbstverständlich. Tagsüber gab es Kunstfahren, Radball und Radpolo. Abends folgte der große Festball mit der Oelder Stadtkapelle. Bei August Nahrmann konnte man sich die Karten im Vorverkauf abholen, sie kosteten 75 Pfennig. Der rührige Vorsitzende Tönne Eversloh hatte alles bestens im Griff. Aus der Zeit stammt auch eine Randnotiz vom Konkurrenzverein „Adler“ Oelde. Dieser hatte aber keine Chance und wurde in allen Belangen nicht gerade artgerecht von den Schwalben gerupft. Im weiteren Verlauf wurden auch immer wieder große Könner nach Oelde eingeladen, wie zum Beispiel die Deutschen Meister im Kunstradfahren , Schestak / Vogler aus Hannover. Zum Zehnjährigen (1930) kamen eigene Spitzenkönner zum Zuge. Als großer Clou erwies sich der Kunstfahr- Auftritt von Konrad Hagemeyer mit seinem 7jährigen Halbbruder Josef Birwe. Es war die Geburtsstunde des ersten Schwalbe- Traumduos in der Vereinsgeschichte. Davon und vom herausragenden Jahr 1935 später mehr.  (von: Norbert Stemmer, 1. Vorsitzender )

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